Wir begrüßen Sie auf unserer neu gestalteten Website rund um die Freiberger Bestattungsform "Der Baum als wachsender Grabstein". Hierbei werden z. B. um eine langlebige Eiche kreisförmig 44 unterirdische Kammern angeordnet.
DIE IDEE Da es in Freiberg a.N. im Landkreis Ludwigsburg keinen Wald für eine Baumbestattung wie z.B. im Friedwald gibt, die Menschen aber dennoch naturverbunden sind, war es das Ziel, eine Baumbestattung für den Friedhof zu entwerfen. Zudem sollte ein Grab immer als solches erkennbar sein. So entstand die Urnengrabanlage "Der Baum als wachsender Grabstein". Hier wächst also mit der Zeit der "Grabstein". Er wird nicht nach 30 oder 50 Jahren wie ein normaler Grabstein abgeräumt und entsorgt. Der Baum kann richtig alt werden. Auch ist eine namentliche Erinnerung möglich, solange eine Kammer von den jeweiligen Angehörigen genutzt wird. Sollte die Ruhezeit irgendwann ablaufen, bleibt der Baum als Bezugspunkt erhalten. Die namentliche Erinnerung erlischt dagegen.
DER BAUM Ein Baum als wachsender Grabstein sollte langlebig sein. Um ein höchstmögliches Alter des Baumes zu gewährleisten, kommen einheimische Arten wie Buche, Linde oder Eiche am ehesten infrage. Die Buche bildet leider eine sehr dichte Krone und hat einen hohen Feinwurzelanteil, so dass unter diesem schönen Baum Gräser und Frühjahrsblüher es oftmals sehr schwer haben. Weil diese Baumart so dominant ist, gibt es in Buchenwäldern auch keine Strauchschicht. Linden sind sehr langlebig, lassen sich im Gegensatz zu Buchen auch gut schneiden (falls notwendig) und ihr Laub zersetzt sich recht schnell. Läuse könnten jedoch den sogenannten Honigtau produzieren und dieser auf die Bronzedeckel tropfen und Spuren hinterlassen. Bleibt die Eiche, welche auch im Winter schön anzusehen ist. Sie ist einfach knorrig! Zudem ist sie als Friedhofsbaum recht selten. Auf Gräber herunter fallende Eicheln sind nämlich wenig beliebt. Hier spielt dies aber keine Rolle. Und da die Eiche sehr vielen Tieren Nahrung bietet, ist diese Baumart auch ökologisch wertvoll. Das einzige Problem könnte der Eichenprozessionsspinner darstellen. Aber zumindest bei der ersten Anlage haben sich bereits größere Ameisen angesiedelt (vermutlich die Rotbraune Sklavenameise), für die auch größere Raupen allenfalls eine willkommene Abwechslung im Speiseplan darstellen.
DER GRABSCHMUCK Nur während der kalten Jahreszeit sollte Grabschmuck in Form von Gestecken, Grablichtern und ähnlichem abgelegt werden. Ansonsten ist die Grabanlage nicht mittels Aufsitzmäher befahrbar. Auch hinterlassen insbesondere Blumenschalen, aber auch Kränze, Ton-Engel und anderer Grabschmuck, kahle Stellen im Gras. Der natürliche Grabschmuck, bestehend aus Frühjahrsblühern wie Schneeglöckchen , Krokus, Blaustern oder Winterling hat zudem Probleme im Frühjahr zur Geltung zu kommen. Unter größeren Schalen gehen die Zwiebelpflanzen leider auch ein. Im allerbesten Fall schaffen sie es, am Rande des Gefäßes ans Licht zu kommen. Wer auf Grabschmck nicht verzichten kann, sollte diese Alternative zu Begräbniswäldern nicht wählen. Denn das Konzept des pflegefreien Grabes sollte auch für das Friedhofspersonal gelten. Es ist nicht zumutbar, dass vor jedem Mähgang Grabschmuck entfernt und nach dem Mähen wieder am richtigen Platz aufgestellt wird.
DIE KAMMER Die unten offenen Edelstahlrohre sind 1,50 m lang und nehmen bis zu 4 Urnen auf. Dann wird die Kammer als Wahlgrab vergeben - Laufzeit 30 Jahre zuzüglich möglicher Verlängerungen. Soll nur eine einzige Urne beigesetzt werden, kann eine Kammer auch als Reihengrab vergeben werden - dann beträgt die Laufzeit 20 Jahre. Eine Verlängerung der Laufzeit ist dann jedoch nicht mehr möglich. Die Kammer wird mit einem Bronzedeckel mit Baummotiv ebenerdig verschlossen. Eine wichtige Funktion haben die Kammern darüberhinaus als Wurzelschutz. In späteren Jahren werden keine Wurzeln beschädigt, wenn eine Nach- oder Neubelegung erfolgen soll. Die Baumwurzeln können ungestört um die Kammern herum wachsen. Ist ein Baum auch noch so mächtig. Beschädigungen im Wurzelraum sind insbesondere auf Friedhöfen der Hauptgrund für ein vorzeitigs Absterben. Hier hat ein Baum ca. 100 m² Platz nur für sich allein und braucht keinerlei Abgrabungen fürchten. Gleichzeitig hat er die Funktion eines Grabmales.
DER BRONZEDECKEL Als Verschluss der Kammer dient ein Bronzedeckel mit Baummotiv. In die Vertiefungen können Plättchen zur Beschriftung geklebt werden. So kann der Deckel wieder verwendet werden und im Laufe der Zeit eine schöne Patina bilden. Die Plättchen haben die Maße 25mm x 70 mm, der Deckel selbst hat ca. 300 mmm Durchmesser.

DIE ERSTE ANLAGE Im Dezember 2004 wurde der erste "Baum als wachsender Grabstein" realisiert. Die Aufnahme ist von Mai 2005. Inzwischen sind alle Kammern belegt.
Die untere Aufnahme stammt aus 06-2011. Inzwischen ist sicher, dass die Eiche die Großbaumverpflanzung überstanden hat. Der Dreibock wurde entfernt. Die Eiche steht jetzt auch alleine. Der Jahreszuwachs ist inzwischen recht ordentlich. Obwohl die Verpflanzung der Eiche geglückt ist, wird die Pflanzung einer kleineren Eiche an dieser Stelle empfohlen. Das Risiko, dass der Baum nicht anwächst, ist deutlich geringer. Der Rollrasen hat sich nach rund fünf Jahren gewissermaßen aufgelöst. Die umliegende Rasenfläche beziehungsweise deren Kräuter haben die Kreisfläche nun gänzlich erobert. Dies widerspricht jedoch einer naturnahen Bestattung in keinster Weise. Es handelt sich schließlich nicht um eine Golfplatzfläche. Auf dem Pflaster haben sich die ersten Moose und Flechten angesiedelt. Einige Bronzedeckel laufen bläulich-grünlich an - der Beginn der natürlichen Patina.
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WEITERE ANLAGEN Ein zweites Bäumchen wurde ebenfalls auf dem Friedhof im Stadtteil Heutingsheim im Jahr 2006 gepflanzt. Der dritte Baum steht auf dem Friedhof im Stadtteil Beihingen seit 2007. Im Jahr 2008 wurde im November der bereits vierte Baum im Stadtteil Geisingen gepflanzt. Im Jahr 2009 wurde die fünfte Anlage, wiederum in Heutingsheim, realisiert. Im Winter 2010/2011 folgte die sechste Anlage, so dass jetzt allein auf dem Friedhof im Stadtteil Heutingsheim 4 Bäume mit insgesamt 176 Kammern zur Verfügung stehen, da alle Bäume immer von 44 Kammern umgeben sind. Es werden insgesamt 120-130 Bestattungen pro Jahr vorgenommen. Davon sind inzwischen mehr als 50 Prozent Urnenbeisetzungen. Unter Bäumen werden pro Jahr ca. 20-30 Urnen beigesetzt. Freiberg a.N.hat ca. 15.600 Einwohner.